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das Wasser, wie ein Vogel die freie Luft geliebt, da ich mich in einem
Gebäude bei allen Schätzen und bei der Blume aller Reichtümer, bei
einer schönen jungen Frau eingesperrt habe? Anstatt daß ich dadurch
hoffte, Zufriedenheit zu gewinnen und meiner Güter zu genießen, so
scheint es mir, daß ich alles verliere, indem ich nichts weiter
erwerbe. Mit Unrecht hält man die Menschen für Toren, welche in
rastloser Tätigkeit Güter auf Güter zu häufen suchen; denn die
Tätigkeit ist das Glück, und für den, der die Freuden eines
ununterbrochenen Bestrebens empfinden kann, ist der erworbene Reichtum
ohne Bedeutung. Aus Mangel an Beschäftigung werde ich elend, aus
Mangel an Bewegung krank, und wenn ich keinen andern Entschluß fasse,
so bin ich in kurzer Zeit dem Tode nahe.
Freilich ist es ein gewagtes Unternehmen, sich von einer jungen,
liebenswürdigen Frau zu entfernen. Ist es billig, um ein reizendes
und reizbares Mädchen zu freien und sie nach einer kurzen Zeit sich
selbst, der Langenweile, ihren Empfindungen und Begierden zu
überlassen? Spazieren diese jungen, seidnen Herren nicht schon jetzt
vor meinen Fenstern auf und ab? Suchen sie nicht schon jetzt in der
Kirche und in Gärten die Aufmerksamkeit meines Weibchens an sich zu
ziehen? Und was wird erst geschehen, wenn ich weg bin? Soll ich
glauben, daß mein Weib durch ein Wunder gerettet werden könnte? Nein,
in ihrem Alter, bei ihrer Konstitution wäre es töricht zu hoffen, daß
sie sich der Freuden der Liebe enthalten könnte. Entfernst du dich,
so wirst du bei deiner Rückkunft die Neigung deines Weibes und ihre
Treue zugleich mit der Ehre deines Hauses verloren haben."
Diese Betrachtungen und Zweifel, mit denen er sich eine Zeitlang
quälte, verschlimmerten den Zustand, in dem er sich befand, aufs
äußerste. Seine Frau, seine Verwandten und Freunde betrübten s ich um
ihn, ohne daß sie die Ursache seiner Krankheit hätten entdecken können.
Endlich ging er nochmals bei sich zu Rate und rief nach einiger
überlegung aus: "Törichter Mensch! du lässest es dir so sauer werden,
ein Weib zu bewahren, das du doch bald, wenn dein übel fortdauert,
sterbend hinter dir und einem andern lassen mußt. Ist es nicht
wenigstens klüger und besser, du suchst das Leben zu erhalten, wenn du
gleich in Gefahr kommst, an ihr dasjenige zu verlieren, was als das
höchste Gut der Frauen geschätzt wird? Wie mancher Mann kann durc h
seine Gegenwart den Verlust dieses Schatzes nicht hindern und vermißt
geduldig, was er nicht erhalten kann! Warum solltest du nicht den Mut
haben, dich eines solchen Gutes zu entschlagen, da von diesem
Entschlusse dein Leben abhängt?"
Mit diesen Worten ermannte er sich und ließ seine Schiffsgesellen
rufen. Er trug ihnen auf, nach gewohnter Weise ein Fahrzeug zu
befrachten und alles bereit zu halten, daß sie bei dem ersten
günstigen Winde auslaufen könnten. Darauf erklärte er sich gegen
seine Frau folgendermaßen:
"Laß dich nicht befremden, wenn du in dem Hause eine Bewegung siehst,
woraus du schließen kannst, daß ich mich zu einer Abreise anschicke!
Betrübe dich nicht, wenn ich dir gestehe, daß ich abermals eine
Seefahrt zu unternehmen gedenke! Meine Liebe zu dir ist noch immer
dieselbe, und sie wird es gewiß in meinem ganzen Leben bleiben. Ich
erkenne den Wert des Glücks, das ich bisher an deiner Seite genoß, und
würde ihn noch reiner fühlen, wenn ich mir nicht oft Vorwürfe der
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