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Unterhaltungen
deutscher Ausgewanderten
Johann Wolfgang
von Goethe
Inhalt:
Bassompierres
Geschichte von der schönen Krämerin Ferdinands
Schuld und Wandlung Der
Prokurator
Bassompierres Geschichte
von der schönen Krämerin
Erzählung
aus Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten
"Der Marschall von Bassompierre", sagte
er, "erzählt sie in seinen Memoiren;
es sei mir erlaubt, in seinem Namen zu reden:
Seit fünf
oder sechs Monaten hatte ich bemerkt, so oft ich über die
kleine Brücke ging-denn zu der
Zeit war der Pont neuf noch nicht erbauet-,
daß eine schöne Krämerin, deren Laden an einem Schilde mit
zwei Engeln kenntlich war, sich tief
und wiederholt vor mir neigte und mir
so weit nachsah, als sie nur konnte. Ihr Betragen fiel mir auf,
ich sah sie gleichfalls an und dankte
ihr sorgfältig. Einst ritt ich von
Fontainebleau nach Paris, und als ich wieder die kleine Brücke
heraufkam, trat sie an ihre Ladentüre
und sagte zu mir, indem ich vorbeiritt:
"Mein Herr, Ihre Dienerin!" Ich erwiderte ihren Gruß, und
indem ich mich von Zeit zu Zeit umsah,
hatte sie sich weiter vorgelehnt,
um mir so weit als möglich nachzusehen.
Ein Bedienter
nebst einem Postillon folgten mir, die ich noch diesen Abend
mit Briefen an einige Damen nach Fontainebleau zurückschicken
wollte. Auf meinen Befehl stieg
der Bediente ab und ging zu der jungen
Frau, ihr in meinem Namen zu sagen, daß ich ihre Neigung, mich
zu sehen und zu grüßen, bemerkt
hätte; ich wollte, wenn sie wünschte, mich
näher kennenzulernen, sie aufsuchen, wo sie verlangte.
Sie
antwortete dem Bedienten, er hätte ihr keine bessere Neuigkeit
bringen können, sie wollte kommen,
wohin ich sie bestellte, nur mit der
Bedingung, daß sie eine Nacht mit mir unter einer Decke zubringen
dürfte.
Ich
nahm den Vorschlag an und fragte den Bedienten, ob er nicht etwa
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